Der Herbst füllt die Schränke. Hält deine Küche das aus?

Im September verändert sich, was in deiner Küche steht. Eingekochte Gläser, Kürbisse, Kartoffeln, der Kasten Apfelsaft, die Vorräte für den Fall, dass man abends nicht mehr rausgeht. Der Sommer war Kühlschrank, der Herbst ist Vorratsschrank. Genau jetzt merkst du, ob deine Küche Stauraum hat oder nur Schranktüren. Das ist ein Unterschied, und er lässt sich messen.

Geöffneter Vorratsschrank mit Innenauszügen voller Gläser und Vorräte, davor die Arbeitsfläche

Stauraum und erreichbarer Stauraum sind zwei verschiedene Dinge

Stell dich vor deinen tiefsten Unterschrank und frag dich, was ganz hinten steht. Wenn du nachdenken musst, hast du die Antwort. In einem klassischen Schrank mit Einlegeböden verlierst du die hintere Hälfte faktisch. Platz wäre da, aber niemand bückt sich dreimal täglich und wühlt. Vollauszüge drehen das um: Der Schrank kommt zu dir. Bei gleicher Schrankbreite steigt der tatsächlich genutzte Raum spürbar, und du siehst mit einem Blick, was du hast. Genau deshalb landet in guten Planungen fast alles unterhalb der Arbeitsplatte auf Auszügen.

Die Ecke ist der teuerste Quadratmeter deiner Küche

Jede L- und jede U-Küche hat sie, und in den meisten Küchen ist sie halb tot. Ein Eckschrank ohne Innenauszug verschluckt problemlos zwei Kisten Vorräte, an die niemand mehr denkt, und im Frühjahr findest du dort Nudeln von vorletztem Herbst. Es gibt Beschläge, die den Innenraum nach vorne schwenken oder in zwei Stufen herausziehen. Sie kosten Aufpreis und holen dafür Fläche zurück, die du beim Bau teuer bezahlt hast. Wenn du gerade planst, ist die Ecke der Punkt, an dem sich Sparen am schnellsten rächt.

Schmale Nischen sind Vorratsgold

Zwischen Kühlschrank und Wand bleiben oft 15, 20 oder 30 Zentimeter übrig, Platz, den viele Planungen mit einer Blende zumachen. Ein schmaler Hochauszug an dieser Stelle nimmt erstaunlich viel auf: Öl, Essig, Konserven, Gewürze, alles von beiden Seiten sichtbar und in Griffhöhe. Der Trick ist nicht die Menge, sondern die Übersicht. Was du siehst, verfällt nicht. Neben dem Herd ist so ein Auszug außerdem der kürzeste Weg zwischen Vorrat und Pfanne.

Was nicht in die Küche gehört

Kartoffeln mögen es dunkel, kühl und luftig. Eine geschlossene Schublade neben dem Backofen ist ungefähr das Gegenteil. Zwiebeln und Kartoffeln nebeneinander beschleunigen sich gegenseitig beim Keimen. Einkochgläser wollen kühl stehen, nicht über der Spülmaschine, wo warmer Dampf hochzieht. Und Getränkekisten haben in einer Küchenzeile nichts verloren. Ihr Platz ist der Keller, der Hauswirtschaftsraum oder die Speisekammer. Eine gute Küchenplanung sagt dir auch, welche Vorräte woanders besser aufgehoben sind, statt jeden Quadratzentimeter zu verplanen.

Nachrüsten statt neu kaufen: Was realistisch geht

Nicht jede Vorratsfrage braucht eine neue Küche. In vielen Bestandsküchen lassen sich Einlegeböden gegen Innenauszüge tauschen, Schubkästen mit Trennsystemen einteilen, und ein Sockelauszug holt unter der Zeile Platz, den vorher niemand hatte. Die Grenze liegt beim Korpus: Passen die Innenmaße nicht oder ist der Beschlag nicht mehr lieferbar, wird es Bastelei. Bring beim nächsten Studiobesuch ein Foto und die Innenbreite eines Schranks mit, dann sieht dein Studio schnell, ob sich Nachrüsten lohnt.

Der Herbst ist der beste Prüfstand, den deine Küche hat. Wenn du dieses Jahr wieder Kisten auf dem Boden stapelst, liegt das selten am fehlenden Platz. Meist ist der vorhandene nur nicht erreichbar. Zeig deinem Studio deine Küche, dann hörst du, wie viel Stauraum du gerade verschenkst.

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